15.03 - Snoezelen

SnoezelenSnoezelen - ein holländisches Kunstwort, bedeutet in etwa „dösen“ „ruhen“. Snoezelen ist keine Therapie im medizinischen Sinne, sondern ein freiwillig genutztes Freizeitangebot für Jedermann mit hohen therapeutischen Ansätzen, welches Jedermann zur Entspannung nutzen kann. Richtiges Snoezelen will jedoch gekonnt sein. Reize setzen, stimulieren, entspannen, dösen, wahrnehmen usw., alles Dinge die richtig angewendet schwerstkranken Menschen in ihrem Schicksal helfen kann.
Wird das ganze jedoch falsch angewandt, werden die Reize falsch gesetzt oder gar übertrieben, so kann dieses äußerst schädlich werden.
Mitte der 90er Jahre wurde Snoezelen, aus Holland kommend, als „die Therapie„ schlechthin propagiert. Jede Einrichtung für Alte, Behinderte und Kranke wollte diese Therapie anbieten. Dabei wurde nicht auf Richtiges sondern hauptsächlich auf imposantes Snoezelen geachtet.
Große Räume wurden extra bereitgestellt und eingerichtet. Mit enormen Kostenaufwand eingerichtet, nicht immer mit speziell ausgebildetem Personal besetzt, wurden diese Räumlichkeiten schnell wieder zur Abstellkammer für Dinge der Klang- u. Musiktherapie, der Physio- u. Ergotherapie usw. Es wurden teure Wasserbetten angeschafft. Patienten mit einem hohen Sicherheitsbedürfnis in der Therapie, z. Beispiel Wachkoma-Betroffene, bekamen auf diesen Betten Angstzustände, Spastiken häuften sich und der Patient war weder entspannt noch ruhte er in sich. Epileptiker wurden mit grellen Lichteffekten und bunten Farben geradezu in die Agressivität getrieben, anstatt sie zu beruhigen.
Klang- und Musiktherapeuten waren die am häufigsten zum Snoezelen eingesetzten Therapeuten. Einseitiges Snoezelen, überwiegend bestehend aus Musik und Klangeffekten, waren naturgemäß die Folge. Doch auch Krankengymnasten, Sporttherapeuten oder sonstig therapeutisch ausgebildete Personen meinten das Snoezelen mit celebral geschädigten Menschen ausüben zu können. Dadurch entwickelte sich eine schlechte und vor allem falsche Auffassung und Durchführung des Snoezelen.
Dieses hat sich zum heutigen Zeitpunkt, dank besserer Einsicht und mangels notwendiger Gelder, grundlegend zum Vorteil der Patienten geändert. Auch gibt es inzwischen eine Ausbildungslinie zum Therapeuten des Snoezelen.
Snoezelen ist spezielle Bedarfsanalyse des Betroffenen. Einfach ausgedrückt, ohne eine äußerst umfangreiche Biografie des Betroffenen, sollte nicht mit dem Snoezelen begonnen werden. Zudem ist es mehr als Wichtig, die Räumlichkeiten richtig einzurichten. Es kann unter Umständen wichtig sein, Einrichtungsgegenstände schnell tauschen zu können. Wassersäulen, Lichteffekte, Klanggeräte um nur drei zu nennen. Wasserbetten für stark celebral geschädigte Personen sind oftmals nicht der richtige Gegenstand. Man kann mit Vorplanung und biografischer Kleinarbeit viel Geld und späteren Aufwand sparen.
Snoezelen soll stimulierend wirken. Dabei bedient man sich der Musik, dem Klang, der Farben, den Geräuschen, den Effekten, der Ruhe usw. All dies soll die Sinne der Betroffenen auf angenehme Art stimulieren und reizen.
Snoezelen ist ….. träumen – erleben - sich einlassen - wahrnehmen - aktiv sein - dösen - entspannen - wohlfühlen - genießen - erinnern - motivieren - aushalten

Snoezelen ist … Ruhe durch Erinnerung - Wahrnehmung durch den ganzen Körper
Selbstfindung durch Reize - Zustand der Ruhe und der Reize
Individuelle Entspannungsmöglichkeit -

Snoezelen ist …. keine medizinische Therapie

Voraussetzung zum Snoezelen ist die Herstellung persönlicher Kontakte zwischen Betreuer und Betroffenen, das Vertrauen zueinander finden zu stärken, sich gegenseitig anzunehmen und zu akzeptieren.

Im Raum des Lichts, der Farben, der Weite, ist der Mensch als Individium das Maß aller Dinge - das ist Snoezelen

Kosten : in Einrichtungen vereinzelt kostenlos
keine Kostenübernahme durch Träger . Privat ab etwa 70 € / Stunde
Verfasser / Auskünfte : Wilfried Breer - 1.Vorsitzender   Verein zur Unterstützung von Wachkoma-Patienten und betroffener Angehöriger eines schwerstbehinderten Menschen (Wachkoma) - Seminarteilnehmer eines mehrtägigen Snoezelen-Seminar ” Snoezelen-hautnah” im Snoezelen-Zentrum Haus Hohensonne der Stiftung Eben -Ezer in Lemgo 2004 (Eben-Ezer ist eine der ältesten u. größten Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen in Deutschland. Die Einrichtung besitzt eine größere Anzahl ausschließlich dem Snoezelen dienenden Räumlichkeiten mit entsprechend speziellen Ausstattungen für unterschiedlichsten Merkmale bei schwerstbehinderten und verhaltensgestörten Personen. Snoezelen geschieht ausschließlich durch und unter Aufsicht anerkanntem Fachpersonal)