36 - Bericht einer Nichtbetroffenen

Fachbericht einer 18-jährigen Nichtbetroffenen Fachoberschülerin
Eine Gegenüberstellung verschiedener tiergestützter Therapien am Fallbeispiel eines Wachkomapatienten

Sind Delphine wirklich Wunderheiler ?

Facharbeit von Linda Buchen – 18 Jahre
Schülerin, gymnasiale Oberstufe
Jahrgangsstufe 12
Gesamtschule Waldbröl

In der Jahrgangsstufe 12 wird anstelle einer Klausur ein Artikel über ein spezielles Thema gefordert. Mitschüler Linda`s sind Angehörige einer Wachkoma-Betroffenen. Dadurch erhält Linda Informationen über Zusammen-hänge des Wachkoma zu tiergestützten Therapien. Hierzu zählen Delfin-, Hippo-, und Canistherapie (Hippo=Reit / Canis=Hund).
Besonderes Interesse ruft bei ihr die Delfintherapie für Wachkoma-Betroffene hervor. War es doch seit frühester Kindheit ein Wunschtraum, vielleicht einmal Delfintherapeutin werden zu wollen.

Linda wählt als Facharbeit diesen sehr zum lesen empfehlenswerten Artikel. Wenn auch die eine oder andere Passage nicht völlig dem entspricht wie es um Wachkoma-Betroffene bestellt ist, so sind diese Aussagen auch nicht falsch und können ohne weitere Kritik oder Änderung so stehen bleiben.

Wir, der Verein zur Unterstützung von Wachkoma-Patienten, finden es äußerst bemerkens- und lobenswert das sich ein junger Mensch diesem sehr komplexen und individuellen Thema widmet und darüber einen Fachbericht schreibt
Wir sind stolz und freuen uns, das wir Linda bei ihrer Facharbeit mit unseren Erfahrungen aus eigener Betroffenheit behilflich sein konnten und durften.

Nicht unerwähnt lassen möchten wir zwei Dinge :
Da sind zum einen die enorm Zeitaufwendigen Recherchen, welche unabdingbar sind um überhaupt zu diesem Thema Zugang zu finden. Ein Aufwand den die meisten Menschen lieber für sich selber und als Freizeit genutzt hätten.
Zum anderen die Benotung der Arbeit durch die Lehrkräfte. Die Arbeit bekam die Note 1 - besser hätte nicht beurteilt werden können

Wir wünschen Linda für ihren weiteren Lebensweg alles Gute

Verein zur Unterstützung von Wachkoma-Patienten
Der Vorstand

Anmerkung Sofern Jemand zu Linda Kontakt aufnehmen möchte, so sind wir gerne bereit dabei behilflich zu sein und werden an uns
gerichtete Anfragen gerne weiterleiten.

Inhaltsverzeichnis
Einleitung………………………………………………………………………….….3
1. Wachkoma = apallisches Syndrom - mit hypoxischem Hirnschaden
1.1 Ursachen und Erklärungen……………………………………………..…….3
2. Mensch-Tier-Beziehung und ihre therapeutischen Wirkfaktoren
2.1 Mensch-Tier-Beziehung……………………………………………..………..6
3. Tiergestützte Therapie
3.1 Was ist eine Therapie? …………………..……………………………………7
3.2 Therapien bei Störungen und Erkrankungen des Zentralnervensystems.7
3.3 Was ist eine tiergestützte Therapie? ……………………………………..…8
3.4 Das Wirkungsspektrum tiergestützter Aktivitäten…………………………….10
3.5 Die Canistherapie……………………………………………………………..11
3.6 Das Therapeutisches Reiten…….…………………………………………..12
3.7 Die Delphintherapie………………………………………………………..…13
4. Gegenüberstellung der verschiedenen tiergestützten Therapien
4.1 Die Gegenüberstellung…………………………………………………..…..16
4.2 Eigene Stellungnahme…………………………………………………..…..19
5. Nachwort…………………………………………………………………………20 6. Anhang……………………………………………………………………………21
6.1 Wachkoma
6.2 Tiergestützte Therapien
6.3 Zeitungsberichte

Einleitung
Warum habe ich dieses Thema für meine Facharbeit gewählt?
Zu Beginn meiner Arbeit möchte ich darstellen, warum das Thema „Gegenüberstellung verschiedener tiergestützter Therapien am Fallbeispiel eines Wachkomapatienten“ eine besondere Bedeutung für mich hat.
Schon von Kleinkind an habe ich Kontakt mit Tieren, und ich weiß, dass sie das Leben eines Menschen positiv beeinflussen können. Meine Lieblingstiere sind schon immer die Delfine, und dadurch war es immer mein Traum, Delphintherapeutin in Florida zu werden und hilfsbedürftigen Menschen zu helfen. Dadurch habe ich immer wieder Informationen über diese Meeressäuger gesammelt, sei es bei früheren Besuchen in Delphinarien (z.B. im Duisburger Zoo) oder aus Zeitungsartikeln und Büchern. Nachdem ich dann von mehreren Spendenaktionen für Wachkomapatienten und ihre Delphintherapie erfahren habe, fragte ich mich, ob es notwendig ist, dass die Patienten diesen riesigen Aufwand auf sich zunehmen, um eine solche Therapie zu absolvieren. Können Delphine wirklich Wunder bewirken? Wieso sind sie etwas Besonderes? Gleichzeitig wollte ich prüfen, ob man einen solchen Effekt auch mit anderen Tieren (z.B. Katze, Hund, Pferd) erreichen kann. Daher habe ich mich mit diesem Thema auseinandergesetzt, indem ich Interviews mit Betroffenen geführt habe und im Internet recherchiert habe.

1. Wachkoma = Apallisches Syndrom - mit hypoxischem Hirnschaden
1.1 Ursachen und Erklärungen
Bei dem Apallischen Syndrom mit hypoxischem Hirnschaden, auch Wachkoma genannt, ist die wichtige Verbindung vom Hirnstamm zum Großhirn gestört. Folge ist ein Erlöschen des Selbstbewusstseins und der Kontaktfähigkeit, das durch Sauerstoffmangel im Gehirn oder schwere Schädel-Hirnverletzungen hervorgerufen wird. Die gesamte Großhirnfunktion oder größere Teile davon fallen beim Wachkoma aus, während die Funktion von Hirnstamm, Rückenmark und Zwischenhirn erhalten bleibt.
Der Sitz des Bewusstseins liegt im Großhirn. Dort werden alle Sinneseindrücke verarbeitet. Alle Sinnesorgane können stark oder voll geschädigt sein. Hirnrinden- und Hirnstammschädigungen führen zu einem Verlust der Sehkraft, und hat der Betroffene dazu noch eine Trachealkanüle (etwa 75%), dann sind die Sinne für riechen, schmecken und schlucken geschädigt. Viele Patienten werden auch künstlich beatmet. Wachkoma-Betroffene liegen mit offenen Augen da und weisen einen normalen Schlaf-Wach-Rhythmus auf. Zusätzlich zu Spastiken im Tonus sind die Betroffenen aus Sicht „gesunder Menschen“ Bewegungs- und Kommunikations-unfähig. Bewegungen sind oft Reflexbewegungen. Durch Therapiemaßnahmen sind sowohl Kontrakturen und Spastiken zu bessern, wie auch Eigenbewegungen beim Betroffenen herzustellen.
Es kann jeden Menschen treffen in ein solches Wachkoma zu fallen. Auslöser des Apallischen Syndroms können zum Beispiel Hirnblutungen, Zuckerschocks, Tumore, Erkrankungen, Schlaganfälle oder Herzinfarkte sein. In solchen Fällen hat oft noch eine geringe Sauerstoffversorgung zum Gehirn stattgefunden. Bei schneller Hilfe und gutem Verlauf kann es zu einer Besserung, sogar bis zum „Aufwachen“ kommen. Die Wahrscheinlichkeit ist zwar gering, aber nicht auszuschließen. Bei der Ursache Herz- und Kreislaufstillstand handelt es sich um ein Apallisches Syndrom mit hypoxischem Hirnschaden nach erfolgter Reanimation. Dieser Mensch war „medizinisch klinisch tot“ und wurde zurück ins Leben geholt. In diesem Fall gab es einen Totalausfall der Sauerstoffzufuhr zum Gehirn sowie aller Organfunktionen. Aufgrund einer solchen Ursache verbleiben immer mehr Menschen, heutzutage vor allem auch junge Menschen durch Verkehrsunfälle, im Zustand des Wachkomas. Es ist zwar möglich das im laufe der Zeit durch Rehamaßnahmen Besserungen eintreten, aber eine vollständige Gesundung ist sehr selten und eher nicht wahrscheinlich. Die Menschen in einem solchen Zustand sind immer auf Hilfe anderer angewiesen.
Weil das Bild über das Wachkoma in der Öffentlichkeit nicht den Tatsachen entspricht, wird der Zustand auch als „lebensunwert“ oder „sinnlos“ bewertet. Die Patienten haben aber auch ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben und brauchen deshalb keine Sterbehilfe, sondern Lebenshilfe (siehe Anhang 6.1 Wachkoma-> „Euthanasie oder Erlösung?“). Wachkoma-Patienten brauchen die Hilfe von Ärzten, Therapeuten, Pflegekräften und Angehörigen, da sie selber nicht dazu in der Lage sind. Um das Leben der Betroffenen menschenwürdig zu gestalten, muss schon auf der Intensivstation mit der Frührehabilitation (Phase B) begonnen werden. Rehabilitation bezeichnet den Einsatz und die Wirkung von Maßnahmen, die darauf zielen, die körperlichen, psychischen und sozialen Folgen einer Behinderung auf ein Minimum zu beschränken, wie z.B. Krankengymnastik und Therapien. Nach Ablauf dieser Behandlungsperiode muss die soziale Wiedereingliederung in die Familie erfolgen. Das nennt man dann Rehaphase C, D, E.
Oft geschieht aber auch das Gegenteil. Wenn ein Patient nach 3 Monaten Frühreha nicht „aufwacht“, gilt er als „Therapieresistent“, als „austherapierter“. Dann wird der Betroffene in ein Heim abgeschoben oder seine Angehörige übernehmen ihn in häusliche Pflege. Die Rehabilitation sollte dort weiter fortgeführt werden. Lagerung, Ernährung, Schluck- und Atemtherapie sind enorm wichtige Maßnahmen zur Besserung der Zustände.
Mit Therapiemaßnahmen, der Stimulation und des Dialoges, sollte so früh wie möglich begonnen werden. Sie zielen darauf ab, Vorgänge zu fördern oder in Gang zu setzen, die zu einer Erholung der gestörten Funktion führen können. Je früher Rehabilitationsmaßnahmen beginnen, umso erfolgreicher können sie sein.
Damit Angehörige mit ihren großen Problemen nicht alleine dastehen oder nicht wissen wie sie mit solch einer Situation umgehen sollen, können sie sich an Vereine, Verbände, Selbsthilfegruppen oder andere Betroffene Angehörige wenden.

Eine wichtige Adresse hierfür wäre der Verein zur Unterstützung von Wachkoma- Patienten mit Sitz in Hilden. Unter www.wachkoma-hilden.de gibt es die Informationen zur Kontaktaufnahme. Angehörige bekommen wichtige Informationen zum Thema Wachkoma, eine Beratung über Hilfe und Unterstützung zum Beispiel bei Antragstellung oder Widerspruch, Begleitung und Betreuung auf Wunsch. Alles kostenlos und ohne jegliche Verpflichtungen. Eine weitere Adresse ist Patienten im Wachkoma e.V. in Bergneustadt. Unter www.piw-ev.de erhalten Angehörige auch hier Hilfe und Unterstützung. Vor allem zur Übernahme in häusliche Pflege. (siehe Anhang 6.1 Wachkoma-> Flyer etc.). (vgl. www.wachkoma-hilden.de)

2. Mensch-Tier-Beziehung und ihre therapeutischen Wirkfaktoren
2.1 Mensch-Tier-Beziehung
Schon seit Anfang der Menschheitsgeschichte besteht eine sehr enge Beziehung zwischen Mensch und Tier. Tiere waren für den Menschen Nahrungsquelle und auch Gefahrenquelle. Später waren sie in vielfälltigerweise Helfer und Begleiter des Menschen, z.B. das Pferd als Zugmaschine oder der Hund bei der Jagd von Wild. Man fand in der Antike sogar in den Gräbern der Menschen Tierüberreste, vor allem von Hunden und Pferden.
Der Mensch wählt als Heimtier solche Tierarten, in denen sie sich wieder zu erkennen glauben. So können sie mit dem Tier eine Du-Beziehung aufbauen. Dies eignet sich besonders mit sozial lebenden Tieren. Dabei können sie ihre emotionalen und sozialen Grundbedürfnisse stillen. Der Mensch sieht im Tier einen Kameraden, der menschliche Qualitäten besitzt, und deshalb geben Menschen ihren Tieren auch Namen.
Die Kommunikation ist ein Aspekt, der die Mensch-Tier-Beziehung zu etwas Besonderem macht, denn sie kommunizieren verbal und nonverbal ohne Worte miteinander. Ein Tier kann sprachliche Informationen nicht verstehen, und deshalb sind die Berührungen, Blicke, Gesten und Bewegungen im jeweiligen Kontext entscheidend. Das nennt man eine analoge Kommunikation (Watzlawick -> Kommunikationswissenschaftler). Ihr steht die digitale Kommunikation, die durch die Sprache stattfindet, gegenüber. Diese Kommunikation läuft bewusst ab, und somit kann sie manipuliert werden. Die analoge Kommunikation hingegen geschieht unbewusst, darum kann man sie nicht beeinflussen. Einem Tier kann man somit nichts vormachen. Und deshalb eignet sich die Beziehung zum Tier auch in Therapien, weil das Tier nicht zwischen behinderten und normalen Menschen unterscheiden kann. Dadurch gibt es dem Menschen ein Gefühl akzeptiert und verstanden zu werden. Diese Beziehung zwischen Tieren und Menschen mit solchen Grundlagen wird als angenehm, sowie wohltuend für die Seele empfunden.
Es gibt mehrere verschiedene Möglichkeiten diese Beziehung zu benutzen, um etwas beim Menschen zu bewirken, was mit anderen Dingen nicht erreicht werden kann. Tiere werden für Therapien eingesetzt (z.B. therapeutisches Reiten oder Delfintherapie), zum Besuchsdienst (z.B. im Altenheim) und als pädagogischer Helfer (z.B. als Haustier in Heimen oder Internaten). Oft reicht allein die Begegnung mit dem Tier aus. „Tiere beeinflussen Menschen selbst dann, wenn es gar nicht beabsichtigt ist.“
(vgl. http://wwwalt.uni-wuerzburg.de/sopaed1/breitenbach/delfin/index.htm)

3. Tiergestützte Therapie
3.1 Was ist eine Therapie?
Bei einer Therapie werden Krankheiten und Verletzungen behandelt. Dabei sind die Heilung oder Linderung der Symptome, sowie die Wiederherstellung der körperlichen oder psychischen Funktion Ziel des Therapeuten.
Eine Therapie wird in zwei Bereiche geteilt:
• Die allgemeine Therapie (Gesamtzustand des Menschen)
• Die spezielle Therapie (Details der Behandlung)
Die Kommunikation zwischen Therapeut und Patient ist ein wichtiger Teil der Therapie, denn damit kann man eine gewisse Transparenz herstellen. Eine Therapie zeichnet sich dadurch aus, dass man sich genau überlegt, welchen Schritt man warum eingeht, warum man was sagt und welches Setting man warum schafft für die Begegnung beispielsweise mit Tier und Patient. Dies setzt vorraus, dass der Therapeut eine richtige Ausbildung hat. (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Therapie)

3.2 Therapien bei Störungen und Erkrankungen des Zentralnervensystems
Zum einen sind die klassischen Therapien zu nennen.
• Krankengymnastik
• Physiotherapie
• Ergotherapie
• Logopädie

Dann gibt es Therapien, die oft entscheidend weiter helfen können, deren Kosten, im Gegensatz zu den oben genannten Therapien, aber nicht von den zuständigen Krankenkassen übernommen werden.
 Craniosacrale Therapie
 Musiktherapie
 Snoezeln (siehe Anhang 6.1 Wachkoma-> „Snoezeln“)
 Biofeedback
 Hippotherapie (siehe 3.5)
 Canistherapie (siehe 3.4)
 Delfintherapie (siehe 3.6)
 Tomatistherapie
3.3 Was ist eine tiergestützte Therapie?
Eine tiergestützte Therapie ist ein Behandlungsverfahren gegen psychiatrische und neurologische Erkrankungen und Behinderungen, bei denen Tiere eingesetzt werden. Das Tier wird als Begleiter und als „Eisbrecher“ genutzt, es therapiert allerdings nicht selber, sondern dient als Mittler. Es ist der Schlüssel für weitere Therapie- und Förderansätze. Es durchbricht eine Blockade, was dazu führt, dass sich der Patient dem Therapeut öffnet. So kann mit der Behandlung besser fortgefahren werden.
Menschen und Tiere leben schon lange in engem Kontakt miteinander. Dieser Kontakt und die Bindung zu einem Tier beeinflusst uns körperlich sowie seelisch.
Man hat festgestellt, dass Menschen, die mit Haustieren zusammenleben, gesünder leben. Sie sind ausgeglichener, fröhlicher und neigen seltener zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Tiere tragen zur Blutdrucksenkung und zur Lösung psychische Blockaden, sie steigern das gesamte Wohlbefinden und geben seelischen Halt. Aus diesen Gründen werden seit langer Zeit Tiere, wie zum Beispiel Hunde, Pferde und Katzen, zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Ihre heilenden Wirkungen auf den Menschen werden schon seit den 60er Jahren wissenschaftlich erforscht.
Ob es sich um Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen, alte Menschen oder Menschen im Wachkoma handelt, bei jedem kann man einen Ansatz zur zielgerichteten tiergestützten Arbeit finden. Für jeden Patient wird ein individueller Therapieplan aufgestellt. Das wichtigste ist, Sicherheit und Vertrauen zu dem Tier aufzubauen. Erst danach kann sich der Patient in Körper und Seele wohl fühlen und Lust entwickeln sich mit dem Tier zu beschäftigen. Die Erfahrung zeigt, dass die tiergestützte Therapie ein besonders wirkungsvolles Mittel sein kann, um spezielle Menschen zu fördern.
Für eine erfolgreiche Therapie ist besonders die psychische Wirkung der Tiere ausschlaggebend. Sie ist sehr intensiv, was auch damit in Verbindung steht, dass das Tier den Menschen nicht nach unseren gesellschaftlichen Maßstäben bewertet. Unabhängig von äußeren Faktoren oder Intelligenz zeigen die Tiere ihre Zuwendung, sie akzeptieren den Menschen so wie er ist. Durch diese Akzeptanz erreicht ein Tier auch einen schwer zugänglichen Menschen und gibt ihm das Gefühl verstanden zu werden. Dieses positive Gefühl von Gemeinsamkeit kann das Bewusstsein für die Welt schärfen und Depressionen entgegenwirken. Gerade auch für ältere und verwitwete Menschen ist der Kontakt zu Tieren wichtig, denn sie geben ihnen ein positives Lebensgefühl. Haustiere von verwitweten Menschen, nehmen die Funktion des Partners ein und sorgen für einen geregelten Tagesablauf. Die Tiere müssen nämlich versorgt und gepflegt werden, und dadurch werden die Personen aktiver. Ein Hund zum Beispiel fordert Spaziergänge, so kommt der Besitzer in Bewegung und fördert sogar soziale Kontakte, denn durch die Tiere ist immer ein Gesprächsstoff vorhanden.
Zu Therapiezwecken können viele verschiedene Tiere eingesetzt werden, Hunde, Pferde, Katzen, Meerschweinchen (eigentlich alle Streichelzootiere), Bauernhoftiere wie Ziegen, aber auch exotische Tierarten wie Delfine und Lamas. Tiere die zur Therapie eingesetzt werden, müssen von Geburt an, lang und intensiv ausgebildet werden. In ihrem Wesen müssen sie lernfähig, gutmütig und kontaktfreudig sowie willig sein, damit ein enger körperlicher Kontakt mit dem Menschen erzielt werden kann. Nicht jeder Hund zum Beispiel besitzt die Fähigkeit und Konzentration um therapeutisch mit Menschen arbeiten zu können. Tiere, die zur Therapie eingesetzt werden müssen mit bestimmten Situationen (Kindergeschrei) umgehen können. Daher wird auf spezielle Rassen und Tierarten viel Wert gelegt. Grundsätzlich gilt auch, dass das Tier an den Patienten angepasst werden muss. Beim therapeutischen Reiten zum Beispiel kann man einen 90 Kilogramm schweren Wachkoma-Patienten nicht auf ein kleines Pony setzen. Dieser muss auf einem hohen Pferd seine Therapiestunde absolvieren. Deshalb wäre es besser, wenn man eine Probezeit vereinbaren würde, in der man dem Patient und dem Tier Gelegenheit gibt, sich an die neue Situation zu gewöhnen.
(vgl.: www.tiere-als-begleiter.de und de.wikipedia.org/wiki/Delfintherapie)

3.4 Das Wirkungsspektrum tiergestützter Aktivitäten
Wichtig ist, dass die Begegnung nicht nur mit dem Tier stattfindet, sondern auch mit dem Therapeut. Dieser ist dafür zuständig die Begegnung zwischen Tier und Patient gerecht zu gestalten. Dabei stehen das gesamte Umfeld, der zeitliche Rahmen und die direkte Begegnung im Vordergrund. Das zielgerichtete Lenken des Kontaktes mit dem Tier macht das Ganze zu einem therapeutisch oder pädagogisch wirkungsvollen Einsatz.
Man darf von einer Therapie aber nicht zu viel erwarten, denn sonst ist eine Enttäuschung vorprogrammiert. Schon über kleine Erfolge sollte man sich freuen. Es wird sicher auch Menschen geben, bei denen diese Therapien keine Erfolge zeigen.
Hier eine Aufzählung der Wirkung von Tieren auf Menschen:
 Wiederherstellung von Körperkontakten (Bedürfnisses nach Nähe),
 Ablenkung von Ängsten,
 Verstehen ohne Worte,
 Anregung der Erinnerung,
 Schulung in der Wahrnehmung (von Körpersprache; auf allen
 Sinnesebenen; von Körpergefühl in Ruhe und Bewegung)
 Ermunterung zu körperlicher und geistiger Aktivität,
 Stärkung des Selbstwertgefühls,
 Unterstützung der Kooperationsbereitschaft des Patienten (Motivierung
 zur Mitarbeit bei jeglicher Therapie und Verbesserung der
 Erfolgsaussichten)
 Befriedigung des Bedürfnisses nach Spiel und Spaß (positive Effekte im
 Spiel nebenbei),
 Tier zeigt dem Menschen seine Grenzen, wenn er es schlecht behandelt,
 Förderung der Verantwortungsbereitschaft,
 Konzentrationsförderung
(vlg. http://www.tiere-als-begleiter.de/2/G0_Therapie-mit-Tieren.html)
3.5 Canistherapie
Eine tiergestützte Therapie mit einem Hund nennt man Canistherapie, welche als reine Zusatztherapie eingesetzt wird. Sie wird ergänzend angeboten, um eine Ebene zu schaffen, auf der der Patient besser zu erreichen ist und dadurch die anderen Therapien erfolgreicher durchlaufen kann. Der ausgebildete Therapiehund wird als Medium verwendet, um gezielt Verhaltensweisen zu trainieren oder um diagnostische Ideen zu erlangen. Diese Therapieform wird zur Rehabilitation neurologischer Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystem und der Muskulatur verwendet. Sie hilft bei sozialen, geistigen oder auch körperlichen Wiedereingliederungen benachteiligter Personen in die Gesellschaft oder in das Privatleben.
Über die Sinnesorgane wie Nase, Ohr, Haut und Augen werden die Reize gefördert. Dabei handelt es sich um eine natürliche Reizstimulierung unter Einbeziehung des Hundes über das Fell, Geräusche, Gerüche, der Temperatur und Bewegungen des Tieres. Ziel des Ganzen ist eine Förderung der Sensibilität, der Wahrnehmung und der Empfindung, eine Erweiterung und ein Aufbau der zentralen Nervenbahnentwicklung des Patienten. Geeignet ist die Canistherapie für (Klein)Kinder, sowie für Erwachsene bis ins hohe Alter. Sie wird bei geistiger und körperlicher Behinderung, kindlichen Verhaltens- und Entwicklungsstörungen, Beeinträchtigungen der sozialen Interaktion, Wachkoma, Schlaganfall, Schädel-Hirntrauma, misshandelten/missbrauchten Kinder und Menschen mit Kommunikations- und Kontaktschwierigkeiten eingesetzt. Dadurch, dass der Hund mit dem Menschen auf einer anderen nonverbalen Ebene kommuniziert, können auch Patienten stimuliert und erreicht werden, welche durch Gehör- und Sprachstörungen beeinträchtigt sind. Der Hund stellt weniger Ansprüche an den Menschen als der Mensch selber. So fühlen sich die Patienten nicht überfordert und können dadurch spontaner reagieren. Durch die Verbindung der Mensch-Tier-Beziehung (siehe 2. Mensch-Tier-Beziehung und ihre therapeutischen Wirkfaktoren) wirken die Patienten viel entspannter und motivierter. Jeder Reiz ist eine Aktivierung und der erste Schritt zur Wiederherstellung oder Erlernung von Aktivitäten. Dem Patient wird zum Beispiel Vitaminpaste auf die Haut geschmiert, welche der Hund dann durch lecken verteilt. Die Reize werden dadurch ausgelöst (siehe DVD und Anhang 6.2 Tiergestützte Therapien-> Flyer und Fotos).
Eine Therapiestunde kann in einer Einzel-, Gruppen- und Familientherapie stattfinden. Dabei nehmen die Patienten, der Therapeut, der Hund und der Hundeführer teil. Sie dauert ca. 30 bis 45 Minuten. Ein Vorteil ist, dass der Hund zum Patienten gebracht werden kann. Er kann also an verschiedenen Orten eingesetzt werden. (vgl. http://www.wachkoma-hilden.de)

3.6 Das therapeutische Reiten
Das therapeutische Reiten ist unterteilt in drei verschiedene Bereiche: die Hippotherapie (Physiotherapie auf dem Pferd), das heilpädagogische Reiten und Voltigieren sowie den Reitsport für beeinträchtigte Menschen. Es umfasst also psychologische, pädagogische, psychotherapeutische, rehabilitative und sozial-integrative Maßnahmen, die mit dem Pferd umgesetzt werden können. Diese drei verschiedenen Bereiche können nicht klar getrennt werden, weil sich gerade die Hippotherapie und das heilpädagogische Reiten in ihren Behandlungsverfahren ähneln. Zielgruppe sind Menschen mit verschiedenen Behinderungen, Entwicklungsverzögerungen, Störungen oder ähnlichen Problematiken. Diese Therapieform kann bei vielen Patienten durchgeführt werden, egal ob bei Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen.
Während man reitet oder auch nur auf dem Pferd sitzt, werden viele verschiedene Muskelpartien und alle Sinne angesprochen. Bei der therapeutischen und heilpädagogischen Arbeit mit dem Pferd wird auf der körperlichen und auf der geistigen, sowie seelischen Ebene gearbeitet. Zum Beispiel putzt der Patient das Pferd zuerst, bereitet es auf das Reiten vor, indem es gesattelt wird und füttert es. Dadurch wird dem Klienten auch ein gewisses Sozialverhalten beigebracht.
Pferde sind deshalb gut für Therapien geeignet, weil sie den Körperkontakt zum Menschen genießen und in der Lage sind, Stimmungen des Menschen zu erkennen und teilweise auch drauf einzugehen. Pferde sind meistens hochmotiviert und „stecken“ somit den Patienten an. Außerdem stärkt das Reiten auch das Selbstbewusstsein, es ist eine positive Erfahrung für den Klienten, ein so großes Tier zu lenken und zu kontrollieren. Allerdings sind nicht alle Patienten dazu in der Lage. Diejenigen, die sich nicht alleine auf dem Pferd halten können, werden von dem Therapeut gestützt. Das bedeutet, der Therapeut sitzt hinter dem Patienten und übernimmt die Zügel. Denn alleine das Gefühl, von dem Pferd getragen zu werden, genießen die Patienten.
Ein weiterer Punkt sind die Pferde selber. Für jeden Klienten wird ein bestimmtes Pferd ausgesucht, weil zum Beispiel ein erwachsener Mann mit 90 Kilogramm nicht auf einem Pony reiten kann oder ein körperlich behinderter Junge mit Spastiken kann nicht auf einem breiten Pferd sitzen, er benötigt ein schmales Pferd. Die Wahl eines schmalen Pferdes für Menschen mit einer Spastik liegt daran, dass sie in der Regel die Muskeln nicht so weit dehnen können, um auf einem breiten Pferd zu sitzen. Wenn der Reiter schon länger kommt und die Muskulatur das gewöhnt ist, kann auch ein breites Pferd sehr gut sein. Oft bekommt der Klient alle Charaktere der verschiedenen Pferde vorgestellt und kann dann selbst entscheiden, auf welchem Pferd er sitzen möchte. Dadurch können die Therapeuten auch schon einen ersten Eindruck von dem Patient bekommen (siehe Anhang 6.2 Tiergestützte Therapien-> „Bericht über die Teilnahme an zwei Stunden des heilpädagogischen Reitens“).
(vlg.: http://www.reittherapie-ehmke.de/index.html)

3.7 Die Delphintherapie
Die Delphintherapie ist die spektakulärste und aufwendigste tiergestützte Therapieform. Deshalb werden Delphine auch oft als „Wunderheiler“ bezeichnet, obwohl sie, wie alle anderen Tiere in tiergestützten Therapien, als Vermittler und „Eisbrecher“ eingesetzt werden, um behinderten Menschen, insbesondere Kindern mit Down-Syndrom (Mongolismus), Spastik (Verkrampfung), Autismus (Kranke, die in ihrer eigenen Welt leben) und Wachkomapatienten, zu helfen. Es ist jedoch nicht eindeutig mit Studien belegt, ob die Delphintherapie medizinisch und psychologisch so hilft, wie es sich viele erhoffen.
Entwickelt wurde die Delphintherapie von dem Psychologen und Verhaltensforscher Dr. David E. Nathanson. (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Delfintherapie)
Aufgrund der Behandlungs-Kosten und der Standorte der Delphinzentren scheitert diese Behandlungsmethode häufig. Die meisten Familien Betroffener können sich eine solche Delphintherapie nicht leisten, weil sie nicht genug Geld haben. Deshalb müssen oft Spendenaktionen durchgeführt werden, damit diesen Menschen doch noch die Möglichkeit besteht, sich mittels Delphinen helfen zu lassen. Seit 1998 arbeitet die Universität Würzburg, Lehrstuhl Sonderpädagogik I und Bereich Geistigbehindertenpädagogik, in Zusammenarbeit mit dem Nürnberger Zoo an einer Studie über die Delphin-Therapie, die hier in Deutschland sehr großen Anklang gefunden hat. Sollte diese Studie erfolgreich abgeschlossen werden, könnten die Kosten (10 Tage Aufenthalt in Florida mit Therapie kosten ca.20.000 €) auf ein Minimum gesenkt und der Einsatzpunkt könnte um viele Wochen im Jahr verlängert werden, was wiederum eine schnellere Integration in die Fast-Normalität für viele Kranke und ihre Angehörigen bringen würde. (siehe http://www.lagune2000.de/delphinlagune/delphinlagune/ueberblick.htm)
Es gibt auch europäische Delphinarien, welche jedoch nicht zu bevorzugen sind, weil dort nicht mit frei lebenden Delphinen gearbeitet wird. Dort leben die Delphine in Gefangenschaft und werden dressiert. Dadurch richtet sich ihr Verhalten nach ihren Trainern. So wird ihnen vorgeschrieben, was sie zu machen haben. Ganz anders ist es aber mit Delphinen, die in Freiheit leben. Sie werden trainiert, d.h. sie werden von den Delphinarien regelmäßig dafür gefüttert und belohnt, dass sie auf den Menschen eingehen und ihnen spielerisch helfen. Sie verhalten sich nach ihren Instinkten und orientieren sich an sich selbst. Außerdem müssen die Leistungen der Delphinzentren genauestens überprüft werden, damit das Preis-Leistungsverhältnis stimmt; denn nicht der Preis ist entscheidend sondern die erbrachte Leistung der Therapie.
Es geht bei der Delphintherapie darum, die Aufmerksamkeit der behandelnden Menschen zu wecken und sie zu motivieren. Allein die Anwesenheit der Delphine wirkt Stress reduzierend und ruft ein angenehmes Gefühl hervor.
Die enorme Ausstrahlung der Delphine liegt unter anderem in der Symmetrie und den runden Konturen ihres Körpers; deshalb hat der Mensch keine Berührungsängste zu diesem Tier. Delphine beeindrucken uns, indem sie mit ihrer kräftigen Schwanzflosse Saltos, Kehrtwendungen und bis zu 8 Meter hohe Sprünge machen können. Mit ihrer Neugierde und ihrem hohen Spieltrieb können sie gut für Therapien eingesetzt werden. Ein Hund zum Beispiel gibt einem autistischen Kind den geworfenen Stock immer wieder nur schematisch zurück, solange er dafür belohnt wird. Der Delphin dagegen ändert ständig sein Spiel und fordert keine Belohnung, da er mit seinem Gegenüber nur spielen will. Die Tiere animieren den Patienten so, ohne dass sie ihn fordern. Sie spüren die Not ihres Gegenübers und versuchen ihn zu motivieren, damit der Betroffene nicht mutlos wird und sich selbst aufgibt. Delphine gelten als Menschenfreund. Es ist auch erwiesen, dass sie im Menschen keinen Rivalen sehen, weil sie den Menschen nicht in ihre Rangordnung mit einbeziehen. Man darf aber nicht vergessen, dass Delphine unter die Gruppe der Raubtiere gezählt werden. Es wird immer wieder berichtet, dass die Delphine nie Menschen angreifen würden, was jedoch auch ab und zu im offenen Meer schon vorgekommen ist.
Delphine verfügen über ein ausgeprägtes Echolotsystem. Durch dieses hoch entwickelte Schallortungssystem finden Delphine fingergroße Fische selbst aus 70 Metern Entfernung oder im Schlamm begrabene Leckerbissen. Außerdem senden sie Ultraschallwellen aus, die das zentrale Nervensystem stimulieren können. Daher sind sie allein schon für die Therapien mit Menschen prädestiniert (geeignet). Es reicht schon aus, wenn sich der Betroffene mit dem Delphin zusammen im Wasser befindet. Durch die Ultraschallwellenübertragung des Tieres gelangt der Patient nach ca. 15 Minuten in den „Alpha-Zustand“, der bis zu einer Stunde nach dem direkten Kontakt mit dem Delphin anhält. Der Alpha-Zustand ist die ideale Gehirnwellenfrequenz fürs Lernen. In diesem Zustand können besonders gut Informationen aufgenommen werden und der Therapeut kann sehr intensiv an der nächsten Entwicklungszone des Patienten arbeiten (siehe Anhang 6.2 Tiergestützte Therapien-> „Echoortung“).
Delphine sprechen ihre eigene Sprache. Sie haben typische fiepende Klicklaute, die einen ermuntern, sich ihm zu nähern und sich mit ihm zu beschäftigen. Besonders Kinder fühlen sich von dieser Lautsprache angezogen, denn die Delphinsprache macht den Menschen neugierig. Dadurch kann diese Sprache der Delphine auch bewirken, dass Patienten, die mit ihnen zusammen im Wasser sind, auf die Delphinlaute selbst in der Delphinsprache antworten. Das kann sich auch positiv auf das Alltagsleben des Patienten auswirken. Die Sprache der Delphine ist also Musik und Therapie zugleich. Aus diesem Grund entwickelte der Verein Patienten im Wachkoma PIW e.V. in Zusammenarbeit mit dem Heilpraktiker Peter Berger eine kostengünstigere Alternative zur Delphintherapie. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine Intensivtherapie für Menschen nach schwersten Traumatisierungen oder Menschen im Wachkoma. Es ist eine Kombinierung von Körper-Wasser-Klang-Licht- und Trauma-Therapie, bei der diese Klicklaute unter anderem auch abgespielt werden.
Die eigentliche Therapiestunde, bei der der Patient mit dem Tier Kontakt im Wasser hat, beträgt ungefähr nur 15-20 Minuten. Die restliche Zeit eines Vormittags wird dafür benötigt den Patienten darauf vorzubereiten (Neoprenanzug anziehen) und zum Beispiel mit ihm neben dem Wasser auf einer Wiese Krankengymnastik durchzuführen.
Die Delphintherapie ist eine umstrittene Therapieform, deshalb stehen ihr auch viele Kritiker gegenüber, zum Beispiel seitens des Tierschutzes. (siehe 4. „Gegenüberstellung der verschiedenen Tiergestützten Therapien“). Wichtig ist auch der Glaube an Heilung, allerdings können Delphintherapien nicht heilen, sonder nur helfen und unterstützen. Es ist aber Fakt, das eine Delphintherapie Urlaubsstimmung vermittelt, besonders in Übersee. Deshalb kann man sagen, dass immer ein Erfolg zu erkennen ist

4. Gegenüberstellung der verschiedenen Tiergestützten Therapien
4.1 Die Gegenüberstellung
Nach den Beschreibungen der drei verschiedenen tiergestützten Therapien möchte ich nun genauer auf die Frage „Sind Delphine wirklich „Wunderheiler“?“ eingehen.
Die Delphintherapie zeigt oft kleine Erfolge, was auch damit zusammenhängen kann, dass vor allem die Delphintherapien in Übersee (zum Beispiel in Florida) vielfach „Urlaubsstimmung“ auslösen. Durch das schöne Wetter, die schöne Umgebung und das Meer fühlt sich der Patient wohl und es entsteht eine positive Stimmung, die sich auch auf die ganze Familie überträgt. Hinzu kommt, dass die Sorgen aus dem Alltag vergessen werden und man einen Urlaub mit der Familie genießen kann.
Zum anderen haben die Delphine mit ihrem Echolotsystem etwas ganz besonderes an sich (siehe 3.8 Delphintherapie). Allein die Begegnung im Wasser zwischen Mensch und Delphin ist ein positives Erlebnis mit angenehmer Wirkung.
Die Delphintherapie ist dennoch eine sehr umstrittene Therapieform, weil es bislang noch keine wissenschaftlichen Ausarbeitungen gibt, welche die Wirksamkeit der Delphintherapie eindeutig belegen. Es gibt mehrere Kritikpunkte bei dieser Therapieform.
Ein wichtiger Punkt ist der Tierschutz. Die Delphine werden meistens in Gefangenschaft gehalten, und dadurch können sie niemals artgerecht gehalten werden. Die Reservate sind viel zu klein, und das Therapieprogramm ist daher für einen Delphin zu stressig, denn er hat einen enormen Bewegungsdrang. Aus diesem Grund gibt es in Amerika bestimmte Gesetzte für die Delphintherapie, die zum Beispiel besagen, dass ein Delphin nur zwei bis drei Stunden am Tag für Therapiezwecke herangezogen werden darf. Aus diesen Gründen werden in Ägypten auch Therapien mit frei lebenden Delphinen angeboten. Jedoch ist dabei der Nachteil, dass man nicht garantieren kann, ob immer ein Delphin zur Therapiestunde anwesend ist.
Delphine sind Säugetiere, und zählen zu den Raubtieren. Der Große Tümmler zum Beispiel kann zwischen 1,90 m und 4,00 m lang werden. Sein Gewicht liegt zwischen 150 und 300 kg (siehe Anhang 6.2. Tiergestützte Therapien -> „Großer Tümmler“). Die Tiere werden oft unterschätzt, denn sie sind durchaus in der Lage, einen Menschen zu verletzten oder sogar zu töten. Eine solche Aggressivität von wild lebenden Tieren ist natürlich, sagen Tierschützer, die dies als weiteren Kritikpunkt an der Delphintherapie sehen.
Ein negativer Aspekt sind auch die Kosten einer Delphintherapie. Sie sind enorm hoch und können meistens nicht von den Angehörigen aufgebracht werden. Wegen der mangelnden wissenschaftlichen Anerkennung, werden die Kosten auch nicht von den Krankenkassen getragen. Daher haben sich Fördervereine gegründet, damit Minderbemittelte überhaupt eine Chance haben, in den Genuss einer solchen Therapie zukommen. Dafür werden zum Beispiel Spendenaktionen durchgeführt.
Außerdem müssen die Patienten lange Wartezeiten in Kauf nehmen, bis sie in einem Delphinzentrum angenommen werden. Für Kinder ist es meistens leichter einen Platz zu einer Delphintherapie zu bekommen, denn sie sind zum einen weniger schwer ins Becken zutragen, als Erwachsene. Erwachsene werden aus solchen Gründen oft von Delphinzentren abgelehnt. Wenn sie dennoch angenommen werden, lassen sie sich das meistens gut bezahlen. Es wird auch oft von „Abzockerei“ gesprochen. Viele Delphinzentren sollen angeblich die Menschen betrügen, die dringend Hilfe brauchen. Die Not wird von anderen Menschen ausgenutzt, um Geld zu verdienen und reich zu werden.
Als Kritikpunkt kommt noch der riesige Aufwand vor und nach der Therapie hinzu. Den Interviews zufolge mit einer Betroffenen Mutter und einem Betroffenen Vater war die lange Reise eine sehr große Belastung für den Patienten. Man ist je nach Standort des Delphinariums bis zu 20 Stunden unterwegs. Hinzu kommen die langen Wartezeiten am Flughafen usw.
Für Patienten im Wachkoma ist es alles etwas anders, als bei anderen Behinderten. Sie sind zum Beispiel blind und wissen gar nicht, was mit ihnen geschieht. Sie fliegen in ein fremdes Land, wo eine andere Sprache gesprochen wird und ein anderes Klima herrscht. Außerdem muss sich der Patient an die Zeitumstellung gewöhnen. Diese Aspekte sind eine große Belastung für die Patienten selber, die man berücksichtigen sollte.
Man kann das Fazit ziehen, dass die Delphintherapie an sich gut ist und auch kleine Erfolge mit sich bringt, aber das ganze „Drumherum“ macht den Erfolg vielfach wieder zunichte. Außerdem ist der Kontakt mit anderen Tieren, wie zum Beispiel mit Hunden oder Pferden, genauso erfolgreich. Die Canistherapie und das therapeutische Reiten sind mit viel weniger Aufwand umzusetzen und erbringen genauso Erfolge, wie die Delphintherapie. Sinnvoll ist es auch ein eigenes Haustier zu halten, denn so ist der Betroffene fast rund um die Uhr mit dem Tier zusammen. Somit können auch im Alltag, zum Beispiel durch spazieren gehen mit dem Hund, kleine Wirkungen erzielt werden.
Die Delphintherapie zeigt nicht die Wunder, die oft angepriesen werden. Bei allen Therapien gilt, dass man keine hohen Erwartungen in sie setzen darf; man muss hoffen, dass kleine Erfolge erzielt werden können. Viele Erwartungen werden zu hoch gesetzt, man ist nachher enttäuscht, wenn diese nicht erfüllt werden. Man sollte sich über das freuen, was geschafft und erzielt worden ist. Ein „Aufwachen“ bei Wachkoma-Patienten oder Heilen verschiedener Krankheiten ist durch die Delphintherapie und auch durch die anderen tiergestützten Therapien nicht möglich.

4.2 Eigene Stellungnahme
Zu Beginn meiner Arbeit mit diesem Thema ging ich davon aus, dass die Delphintherapie das beste und wirkungsvollste Heilmittel für Wachkoma-Patienten überhaupt ist. Mehrere Erfahrungsberichte habe ich mir durchgelesen und erst später festgestellt, dass immer nur über Kinder und ihre tollen Ereignisse mit dem Delphin erzählt wurde. Ich habe nicht einen Bericht gelesen, indem über einen Erwachsenen mit positiven Erfahrungen geschrieben wurde. Außerdem habe ich erst nach genauem Suchen und Recherchieren bemerkt, dass keine Berichte dabei waren, in denen die Delphintherapie als Schlecht und Umstritten beschrieben wurde. Erst nach langen Telefonaten mit dem Vorsitzenden des Vereins zur Unterstützung von Wachkoma-Patienten und gründlichen Recherchen im Internet habe ich herausgefunden, dass die Delphintherapie genauso eine Therapieform ist, wie mit anderen Tieren.
Der Vorsitzende des oben genannten Vereins ist zugleich auch betroffener Vater. Mit seinem Sohn hat er schon eine Delphintherapie durchgeführt. Er bringt ihn einmal die Woche zum „Reiten“, und einen eigenen Hund besitzen sie auch. Somit konnte der Mann mir viele Informationen geben und auch Vergleiche zwischen den Tieren aufzeigen. Dadurch hat sich meine Meinung während meiner Arbeit total geändert. Ich denke zwar immer noch, dass die Delphintherapie etwas besonderes ist, aber das sie Wunder bewirkt, glaube ich nicht mehr. Indem man den Patienten mit anderen Tieren in Kontakt bringt, können ähnliche Erfolge erzielt werden. Gerade das therapeutische Reiten hat mich beeindruckt, da ich persönlich einen Einblick gewinnen konnte, wie so etwas abläuft (siehe Anhang 6.2 Tiergestützte Therapien-> „Bericht über die Teilnahme an zwei Stunden des heilpädagogischen Reitens“). Die zwei behinderten Mädchen sahen so glücklich aus, als sie auf dem Pferd reiten konnten, und das hat mich überzeugt, dass es nicht nur Delphine schaffen können, einem Menschen zu helfen.
Meiner Meinung nach ist es aber auch ganz wichtig, dass die Betroffenen einerseits Menschen haben, die für sie sorgen und ihnen helfen, und andererseits in einer Umgebung leben, wo sie sich wohl fühlen können. So kann zum Beispiel auch das Snoezeln neben den Therapien in der Freizeit angeboten werden. Snoezeln bedeutet sich zu entspannen, wahrzunehmen, zu träumen, die innere Ruhe zu finden, zu genießen …etc.. Indem man das Wohnumfeld entsprechend einrichtet, kann man auch zu Hause in der gewohnten Umgebung eine Art von Snoezeln genießen

5. Nachwort
Da das Thema meiner Facharbeit ziemlich komplex ist, denke ich, dass ich die wesentlichen Informationen gut zusammengefügt habe. Ich erhebe aber nicht den Anspruch, alles richtig formuliert und dargestellt zu haben.
Hiermit versichere ich, diese Facharbeit ohne fremde Hilfe angefertigt und nur die im Literaturverzeichnis angeführten Quellen und Hilfsmittel benutzt zu haben.
Morsbach, den 27.03.2006